Buch über vergessene Orte im Raum Hammelburg

Geschichtsinteressierte haben Infos über besondere Plätze und Gebäude gesammelt. Wann das Werk dazu vorgestellt wird und weshalb der Arbeitstitel "Lost Places" nicht mehr auftaucht.

MP 2022 11 29 Wer mit Christiane Schmid durch den Wald wandert, merkt schnell, dass ihr versteckter Ort wirklich versteckt ist. "Ich war selbst schon lange nicht mehr hier", sagt die Hammelburgerin und schaut sich um. "Sind wir vielleicht schon zu weit gelaufen?" Nach etwas Suchen ist es dann so weit: Ein Gewölbe aus Muschelkalksteinen taucht knapp unterhalb des Kammweges zwischen Obererthal und Seeshof mitten im Wald auf.


"Ich bin schon vor Jahren bei Wanderungen mit den Kindern zum ersten Mal drauf gestoßen", erzählt Christiane Schmid. Vor rund drei Jahren habe sie dann den alten Verteiler für die 1300-Jahr-Feier der Stadt Hammelburg bemüht. Aus der Diskussion über das rätselhafte Gewölbe ist die Idee entstanden, mehrere solcher vergessenen Orte in einem Buch zusammenzufassen.
"Lost Places" sei der Arbeitstitel gewesen. Der Begriff sei gerade modern, aber eben auch vorbelastet: Oft handle es sich um Gebäude , in die Fotografen illegal einsteigen. Zudem hätte der Begriff Lost Places auch nicht auf alle beschriebenen Orte gepasst, etwa die Beschreibung von Räumen auf Schloss Saaleck, von deren Existenz viele wissen, die aber einfach nicht zugänglich sind.
Unterschiedliche Bezeichnungen
Auch viele andere Plätze sind vor Ort durchaus noch bekannt, lediglich Wanderer von außerhalb würden vor einem Rätsel stehen, berichtet Christiane Schmid. So auch beim Gewölbe oberhalb von Obererthal. "Im Ort ist der Platz vielen als ‚Schmierhütte‘ bekannt", erzählt die 63-Jährige. Der Name gehe angeblich darauf zurück, dass dort früher Wagenschmiere hergestellt wurde. Wegen des üblen Gestanks sei die Produktion aus dem Ort heraus zu der Hütte auf den Berg verlegt worden.
Eine andere Bezeichnung für das nach wie vor intakte Gewölbe sei "Bierhütte", wobei Bier nicht etwa für Bier, sondern im Gegenteil für Wein steht: Weintrauben oder -beeren werden mundartlich in der Region "Bier" genannt. Christiane Schmid ist sich deshalb auch sicher, dass der Name "Beerenhütte" auf die eigentliche Entstehung des steinernen Unterstands hinweist: "Das war früher alles Weinberg", deutet sie auf den Wald unterhalb der Hütte.
Auch alte Flurkarten würden zeigen, dass an dem nach Südosten hin ausgerichteten Hang des Staubbergs früher Rebstöcke standen.
"Der Seeshof lag am Weg zur Probstei Thulba", erzählt die Hammelburgerin, die seit Jahrzehnten als Gäste- und Weinerlebnisführerin arbeitet. Der Hof sei vermutlich Zehnthof gewesen, erst nach und nach sei durch Grundstücksteilungen der heutige Weiler entstanden. Auch die Weinstöcke seien im Zuge der fränkischen Realteilung immer kleiner geworden: Im Bayernatlas, dem offiziellen Geoportal des Freistaates Bayern, sind viele schmale Parzellen zu erkennen, zum Teil nur fünf Meter breit. Zudem hat Christiane Schmid herausgefunden, dass die Eigentümer aus etlichen Orten im Thulbatal kamen, bis hinauf nach Reith. "Kein Wunder, dass sich die Menschen hier eine Schutzhütte gebaut haben", sagt Schmid.
Was heutige Wanderer verwundert, ist die aufwendige Ausführung als Bruchsteingewölbe. "Holz war früher kostbar", berichtet dagegen Hobby-Historikerin Christiane Schmid. In den Weinbergen rund um Hammelburg sei jeder Stock sorgsam gelagert worden, Bau- und Brennholz waren rund um Hammelburg eine Rarität. Also nahmen die Weinbauern offenbar das, was auf dem 354 Meter hohen Staubberg überall herumliegt: Am Weg zur Schmierhütte gibt es immer wieder Reste alter Steinbrüche, die Muschelkalksteine waren direkt an der Baustelle verfügbar.
Direkt an dem Gewölbe vorbei führt bis heute der so genannte Thulbaer Weg. Wenige Meter neben der Schmierhütte steht zudem ein alter Bildstock. Auf der Rückseite steht eine Inschrift, die mit dem Satz "Valentin Friedrich von Seehoff hat dieses Bild anhero verlobt" endet. Datiert ist der barocke Bildstock mit einer Pieta als Bekrönung auf das Jahr 1751. Im Laufe ihrer Nachforschungen hat Christiane Schmid unter anderem Tipps von Dieter Nöth aus Obererthal, Konrad Hoffmann aus Untereschenbach und Rita Scholl aus Untererthal bekommen. "Mittlerweile weiß ich, dass es solche gemauerten Unterstände auch in anderen Weinlagen rund um Hammelburg gab", sagt Schmid. Viele seien durch die Flurbereinigung zerstört worden, am Hammelberg gebe es aber auch noch ein intaktes Gewölbe.
Durch die Suche nach Infos über die Schmierhütte ist Christiane Schmid auf viele andere ähnliche Orte gestoßen. Dabei blieb die Themenfindung nicht aufs Stadtgebiet beschränkt, sondern weitete sich auf den Altlandkreis aus.

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Main-Post vom 29.11.2022, Autor: Ralf Ruppert

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