Vor zwei Jahren ließ der Förderkreis Stadtmuseum und Denkmalpflege eine alte Kelter aus einem Haus in der Josef-Schultheis-Straße bergen. Bald können Besucher das historische Gerät besichtigen.

Klares Votum: Schenkungsurkunde von 777 ist entscheidend für Weinbautradition

Hammelburg Nein, die Hammelburger Geschichte müsse nicht neu geschrieben werden, machte Vorstands-Beisitzer Dieter Vogler in seinem fundierten Fachvortrag deutlich. Der ansässige "Förderkreis Stadtmuseum und Denkmalpflege" hatte Interessierte am Freitagabend in die Markthalle eingeladen. Vorsitzende Christiane Schmid begrüßte einen vollen Saal.

Vortrag zum Streitum ein paar Monate

Urkunde: Eine Abbildung der Urkunde aus Schrifttafeln zur Erlernung der Lateinischen Palaeographie“, von Michael Tangl, erschienen 1903.Umdenken in der ältesten Weinstadt Frankens: Spätestens seit die „Gesellschaft für Geschichte des Weines“ im September diesen Jahres ihre Herbsttagung in Franken abgehalten und dessen Präsident Prof. Dr. Seliger anlässlich einer Weinprobe im Kellereischloss auf eine Urkunde aus dem Jahre 776 verwiesen hat, gibt es Diskussionen, ob die (weinbauliche) Geschichte von Hammelburg neu geschrieben werden muss.
Bislang war immer die Schenkungsurkunde Kaiser Karls des Großen aus dem Jahr 777 als Beleg für die älteste Weinbautradition in Franken ins Feld geführt worden.
Für Aufklärung will nun der Förderkreis Stadtmuseum und Denkmalpflege Hammelburg bei einem öffentlichen Vortrag am 22. November um 19 Uhr in der Markthalle in Hammelburg sorgen. Vereinsmitglied Dieter Vogler wird sich bei dem Vortrag ausführlich mit der erwähnten Urkunde vom 8. Oktober beschäftigen, welche in Hammelburg seit fast 150 Jahren unter der Bezeichnung „Hammelburger Markbeschreibung“ bekannt ist.
Kritische Betrachtung
Dieter Vogler wird sich bei seinem Vortrag insbesondere mit den Behauptungen von Prof. Dr. Seeliger „es handle sich um eine Originalurkunde aus dem Jahre 776“ und „die Hammelburger Weinbaugeschichte verlängert sich um ein Jahr“ kritisch auseinander setzen. Geschichtsinteressierte, insbesondere auch die Weinliebhaber, sind willkommen. Das Festhalten an der Jahreszahl 777 scheint schon deshalb interessant, weil es sich um die Schenkungsurkunde eines Kaisers handelt, und zudem die Jahreszahl griffig und daher besonders leicht zu merken ist.

Main-Post und Saale-Zeitung vom 21.11.2013